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"Hallo, sind Sie nicht die Frau Bio?"
Annette Acker und Beate Beermann sind Powerfrauen, die es nur im Doppelpack gibt. Warum das so ist und was das Besondere am Detmolder Bioladen Petersilchen ist, erklären sie in einem fröhlichen Gespräch.

Kategorie

Text, Foto, Content Marketing

Kunde

Agentur, B2C

Jahr

2021

Ein sonniger Vormittag, am Bistrotisch im Petersilchen. Mir gegenüber Kopf und Herz des Detmolder Bioladens, wie ich im Vorgespräch erfahren habe. Das macht Lust darauf, die beiden Mitarbeiterinnen kennenzulernen.

„Ich bin ganz weit weg geboren – fast im Ausland“, lacht Beate Beermann. Bösingfeld, um genau zu sein. Vor dem Umzug der Familie nach Lemgo, wo sie bis heute wohnt. In der Reformhausakademie habe sie gelernt, was gesunde Ernährung alles bringt. „Damit kann man auch ganz viele Krankheiten positiv beeinflussen. Man muss nicht immer gleich zu Medikamenten greifen, das wissen vielen nicht“, betont sie. Nach Stationen in Reformhäusern ging es dann ins Petersilchen. Vor acht Jahren war das.

Genauso lange ist Annette Acker da. „Aber ich bin waschechte Lipperin!“ strahlt sie. In Detmold geboren, aufgewachsen und fast immer dort gearbeitet. Der einst gelernten Beruf der Hotelfachfrau wurde recht rasch an den Nagel gehängt: „Mit zwei Kindern waren die Arbeitszeiten damals nicht leicht zu vereinbaren“.

Beruflich ging es zuerst ins Büro. Staatsbad Meinberg, Termine, Korrespondenz und so. „Irgendwann aber keine Böcke mehr“, überlegt sie. Ein paar stressige Stationen später überlegte Annette Acker dann, „wo ich mal eine ruhige Kugel schieben kann“. Sie lehnt sich zurück und lacht. „Ich habe geglaubt, hier geht´s gemächlich zu – das denken viele über Bioläden“.

Doch es ging mächtig zur Sache, aber das liegt ihr. Sie ist für das Bistro verantwortlich, aber auch für die Dienstpläne und sei ein bisschen Mädchen für alles. „Und weil so ein Mädchen auch mal eine Vertretung braucht und weil das Frau Beermann macht“ – sie legt einen Arm um die Kollegin und zieht sie zu sich – „gibt es uns nur im Doppelpack!“ Einzig in der ersten Corona-Welle, als mittags zu war und die Belegschaft in zwei Gruppen getrennt wurde, hatten die beiden acht Wochen keinen Kontakt. „Das war hart!“ finden sie.

Was hat eigentlich die Familie über den Arbeitsplatz Bioladen gesagt? „Ich war sowieso für alle immer der Körnerfresser!“ grinst Beate Beermann, da hätte sich also niemand gewundert. Annette Acker überlegt einen Moment. „Ich habe ja bewusst hier angefangen, weil ich eine sehr stressige Zeit hatte. Mein Mann hat mir dann gewünscht, dass ich bei den Alternativen, so hat er gesagt, finde, wonach ich suche. Das fand ich toll.“

Lippenstift und Flower Sprout

Was macht das Petersilchen aus? Die beiden überlegen einen Moment, aber dann kommt die klare Antwort: „Menschlichkeit, Freude an der Arbeit und ein gutes Team, das eine super Philosophie mitträgt.“ Schön, so etwas zu hören.

Das Petersilchen ist kein Tante Emma – Laden von früher, sondern ein Biokaufhaus mit 500 Quadratmetern und 30 Angestellten. Mit einer immer größeren Auswahl von Kosmetik über Haushalts- und Drogeriewaren bis zu Obst und Gemüse. Mit regionalen Klassikern wie der Lippischen Palme bis zu Exoten wie dem Flower Sprout, einer Mischung aus Grünkohl und Rosenkohl.

Dank der großen Nachfrage wurde vor einem Jahr erweitert. Weil es keine weitere Fläche mehr gab, wurden die Regale höher. Seitdem muss sie sich recken, wenn sie ihre Kolleginnen sucht, raunt Annette Acker verschmitzt. Während des Umbaus wurde das Büro tageweise nach draußen verlegt, in den Hintergarten. „Das war schön – allerdings war die Tür, die nach draußen führte, eigentlich eine Nottür. Wenn die zufiel, dann kamen wir nicht mehr rein“, lacht sie.

Ein bisschen flippig gehört dazu

„Auch in einem Supermarkt muss man gut beraten werden“, betont Beate Beermann. „Darauf legen wir im Petersilchen großen Wert. Und die Leute wollen von uns viel wissen.“ Bio sei schließlich nicht gleich Bio, und außerdem lege man großen Wert auf regionale Produkte.

„Manche unserer Kunden sind aber auch ein bisschen schräg“ grinst Annette Acker hinter vorgehaltener Hand. Die beiden lachen. „Im positiven Sinne!“ fügt sie schnell hinzu. Kunden, die im Bioladen kauften, seien durchaus etwas anspruchsvoller, ergänzt Beate Beermann. Manche möchten etwas gepuckert werden, aber das sei auch ganz in Ordnung so. Viele seien Stammkunden und freuten sich, wenn sie mit Namen angesprochen werden. „Natürlich gibt es auch diejenigen, die mitten im Winter Erdbeeren haben wollen, aber die gibt es dann bei uns eben nicht.“

Im Bioladen einkaufen zu gehen, ist normaler geworden, finden beide. „Es ist nicht mehr wie früher, dass die Alternativen im Bioladen einkaufen und die Normalos nicht.“ Junge Familien, Studenten, ältere Menschen, es kommen alle. Man kaufe heute eher bewusst ein, nicht mehr große Mengen. „Aber ein bisschen flippig, das gehört schon zum Bioladen dazu.“

Und a propos treue Kunden: Annette Acker wurde einmal auf dem Wochenmarkt angehalten. „Hallo! Sind Sie nicht die Frau Bio?“ Ihren Namen habe der Mann nicht mehr gewusst, aber dass sie im Petersilchen arbeitete, das schon. „Ohne Schürze sehen Sie ja wie ein normaler Mensch aus, hat er gesagt“, lacht Annette Acker.

Schon mal von einer Klippe gesprungen?

Und selbst? Beide seien mittlerweile auch persönlich von Bioprodukten überzeugt. „Bevor ich hier angefangen habe, hatte ich mit Bio aber nichts am Hut“, überlegt Annette Acker. „Damals wusste ich noch nicht, was Bio tolles mit Körper und Seele machen kann.“ Beate Beermann ergänzt. „Unser Chef hat sich im In- und Ausland die Partnerbetriebe angeschaut, die Böden und die Produktionsbedingungen. Da sieht man riesige Unterschiede zur konventionellen Landwirtschaft.“ Annette Acker ist der gleichen Meinung. „Und man schmeckt es auch! Ich habe meinem Mann einmal eine Biomöhre und eine konventionelle zum Probieren gegeben. Raten Sie mal, was seitdem bei uns gegessen wird! Dieser Geruch, diese Süße, das kann nur Bio“, schwärmt sie. Da bekommt man Appetit.

Die Familie ist für beide der wichtigste Erholungspol. Mit dem Partner oder den Kindern durch den Wald laufen, die Zeit als frisch gebackene Oma mit dem goldigen Sonnenschein genießen, einfach mal gemeinsam die Seele baumeln lassen. Abschalten lernen, das ist wichtig.

„Ich mache gerne mal verrückte Sachen“ sagt Beate Beermann. Fallschirmspringen, Segelflug, Ballonfahrt, alles schon gemacht. Als Basejumper mal von einer Klippe springen, das fehlt noch. „Das fehlt mir noch in meiner Sammlung!“ lacht sie. Annette Acker ist früher viel gejoggt – sogar einmal mit dem Petersilchen-Team am Detmolder Stadtlauf. „Das war schön, mal von den Kunden angefeuert zu werden“, klatscht sie in die Hände.

Beide verreisen gern, Annette Acker im Herbst gerne ins Südtirol. „Eine klasse Mountainbike-Gegend“ empfiehlt sie sichtlich angetan und erinnert sich an eine Hüttentour. „Da habe ich im Hochsommer mit Mützen, Schal und dicken Socken in der Hütte gelegen und die ganze Nacht gefroren!“ Beate Beermann zieht es immer wieder nach Dänemark. „Zwei Wochen in dem schönen Land holen mich immer wieder runter. Hygge eben!“ lacht sie. „Einfach in einem Ferienhaus in den Tag hineinleben, das ist die Erholung, die ich einmal im Jahr brauche.“

Eine Spende von Herzen

Das Miteinander im Petersilchen weiterzubringen, das ist beiden Frauen ein spürbares Anliegen. „Wir werden jedes Jahr von unserem Chef einmal abends auf große Sause eingeladen. In diesem Jahr haben wir überlegt, dass wir uns so einen schönen Abend auch selber leisten können, weil es uns so viel besser geht als denen, die durch das Hochwasser kürzlich alles verloren haben. Denen haben wir dann das Geld gespendet. Sofort haben alle dahintergestanden.“ Echter Teamgeist und ein wunderschönes Zeichen des Petersilchen-Teams. Macht weiter so und bleibt, wie Ihr seid, möchte man da zum Abschied sagen.

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