Text / Diakonie Schweiz

Das Potenzial der Diakonie für sorgende Gemeinschaften
Die sorgende Gemeinschaft ist eine Haltung, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert: Mehr als 100 diakonisch Engagierte und Interessierte fanden sich am 29. November in Biel zu einer Fachtagung ein. Sie thematisierte Potenziale von Diakonie und Kirche für sorgende Gemeinschaften.

Wenn die Grenzen der sozialstaatlichen Leistungen sichtbar und solidarische Strukturen in der Gesellschaft schwächer werden, steigt die Bedeutung nahräumlicher Unterstützungsnetzwerke wie etwa der „Sorgenden Gemeinschaften“, englisch „Caring Communities“. Unter diesem Ansatz entstehen in vielen Städten, Gemeinden und Quartieren Bewegungen mit dem Ziel einer neuen Sorgekultur im Nahraum, in der das Wohl aller im Zentrum steht, in der man füreinander sorgt, einander umsorgt und gemeinsam Verantwortung trägt.

Die nationale Fachtagung „Gemeinsam Sorge tragen“ der Diakonie Schweiz machte am 29. November im Volkshaus Biel den Ansatz der „Sorgenden Gemeinschaften“ zum Thema und fragte danach, wie sich diakonisch Engagierte und Kirchgemeinden darin verantwortlich einbringen können.

Dazu entfaltete die emeritierte Theologieprofessorin der Universität Neuenburg, Lytta Basset, Gedanken zum Mitgefühl aus evangelisch-reformierter Perspektive, von dem wir uns aus der Distanz erfassen liessen, so Basset. Aus der Distanz zu einer anderen Person können wir wahrnehmen, was vorher nicht möglich war, um so einander im Mitgefühl näher zu kommen. Wer sich auf diese Weise sorgt, so Basset, wendet sich zumindest zeitweise vom eigenen Weg ab und erlebt trotz der Sorge, vom Unbekannten vereinnahmt zu werden, grosse Nähe.

Klaus Wegleitner, Soziologe und Sorgeforscher an der Universität Graz, betrachtete im Anschluss die Entwicklung sorgender Gemeinschaften aus soziologischer Perspektive. „Care“ definierte der Soziologieprofessor gemäss dem deutschen Juristen und Theologen Thomas Klie als vorausschauende, anteilnehmende Verantwortungsübernahme für sich und andere. Fürsorge, so Wegleitner, sieht also voraus, nimmt an der Sorge und dem Leiden anderer teil und übernimmt Verantwortung für sich und andere. Stabil werde ein Sorgegeflecht dabei durch die Zutaten, durch einen kreativen Prozess des Hörens, der gemeinsamen Kultur und des gemeinsamen Wissens und Erfahrens.

Wegleitner verwies auf die politische Dimension des Nachdenkens über Care. Heute könne klar zwischen bezahlter und unbezahlter Care-Arbeit unterschieden werden – und damit zwischen der Sicherheit, von Lohn und Sozialleistungen zu profitiere und der Unsicherheit, dies nicht zu haben. Ist die Verantwortung fair verteilt? Lassen sich die Rahmenbedingungen ändern und das Gemeinschaftsleben anpassen?

Zu Quellen der Sorgen und deren politische Dimensionen sprach Patrick Schuchter, Philosoph und Gesundheitswissenschaftler an der Universität Graz. Der Staat habe die Aufgabe, die Grundversorgung sicherzustellen. Dies könnten sorgende Gemeinschaften nicht ersetzen. Sie hingegen schafften Vertrauen und sozialen Zusammenhalt, achteten die Würde jeder Person und ermöglichten es dem Leben, sich in allen Dimensionen zu entfalten. All dies könnten der Staat oder auch der Markt nur sehr schwer gewährleisten, so Schuchter, auch stellvertretender Leiter des Programmbereichs Palliative Care im Wiener Kardinal König Haus.

Im Anschluss an die Referate tauschten sich die Teilnehmenden jeweils in Zirkeln nach Lebensphasen aus, um das Thema der sorgenden Gemeinschaften aus persönlicher wie professioneller Perspektive zu diskutieren. Die sorgenden Gemeinschaften sind kein Konzept, sondern eine Haltung, so Beat Maurer, Präsident der Konferenz Diakonie Schweiz, zum Abschluss der Tagung. Sie basiere auf gegenseitigem Vertrauen, unabhängig von den lokalen Unterschieden.

Ergänzend zur Tagung hat die Diakonie Schweiz eine Themenseite zu Sorgenden Gemeinschaften unter www.diakonie.ch/sorgende-gemeinschaften freigeschaltet. Dort befinden sich grundlegende Texte und Überlegungen zum Thema. Die Seite wird laufend ergänzt und dient als Informationspool für Sorgende Gemeinschaften oder Caring Communities.

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